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Toleranz, Gesellschaft und Widerstand



Es gibt unserer Meinung nach momentan zwei unterschiedliche Entwicklungen in der Gesellschaft, welche sich auf unheilvolle Weise gegenseitig ergänzen. Die Politik ist nicht in der Lage, das Wohl der Bevölkerung mehr als nur unerheblich zu mehren. Als Beispiele können hier genannt werden: Gesundheitsreform, Rente, Lohnniveau, Arbeitsplätze, Studienbedingungen, Umweltschutz und nachhaltige Energieerzeugung, humanitäre Hilfe sowie Beseitigung der Ursachen für Krieg und Gewalt auf Erden.


Auf der anderen Seite ist die Streit- (und Streik-)kultur auf einem Tiefststand angekommen. Die Bürger verharren in einer hilflosen Starre und keiner glaubt mehr, etwas fundamental ändern zu können. Die Parteien verlieren immer mehr Rückhalt in der Gesellschaft und ihrerseits die Anbindung an das (Wähler-)Volk. Während die Gewinne für Aktienunternehmen und deren Manager jährlich überproportional zur Inflation steigen, wird die Lebenssituation für den "kleinen Mann" immer prekärer. In einer solchen Situation spüren die Mächtigen, dass etwas brodelt, aber (noch) nicht herausbricht. Sie versuchen, die Geschicke nicht aus der Hand zu geben. Als Stützpfeiler dient ihnen dabei zunächst die seichte Unterhaltung der Medien, welche einen Großteil der Bevölkerung in den TV-Methadon-Schlaf schickt.


Zusätzlich wird in den "Nachrichten" der TV-, Radio- Print- sowie Onlinemedien eine häufig undurchsichtige redaktionelle Auswahl getroffen, die im Zuschauer eines zu wecken versucht: Angst! Der Bürger soll davon überzeugt werden, dass eine gewaltige Gefahr drohe, die nur mit Mitteln des Staates abgewendet werden könne. Oft sind solche "Gefahren" von zwei Aspekten begleitet: 1. die "Schuldigen" stellen eine Minderheit in der Gesellschaft dar. 2. Die erforderlichen "Lösungen" sind für den Staat nicht sehr teuer. Folgende Beispiele sollen das verdeutlichen:


- Jahrelang hat die Regierung aktiv die Einführung von Abgasfiltern in Neuwagen verhindert, obwohl auf europäischer Ebene solche vehement gefordert worden waren. Nun haben wir den Salat, und die Feinstaubgrenzwerte werden überschritten. Anstatt zurückzutreten oder irgendeinen anderen sinnvollen Vorschlag zu machen, wird auf die so genannten "Stinkerautos" eingeprügelt. Die wenigen Autos, zum Teil schon Oldtimer, die Studenten zum Einkaufen verwenden, sind nun angeblich ökologisch schlimmer als die 99% der "neueren Autos", welche ein Vielfaches der Kilometerleistung der Altautos aufbringen. Absurd wird es, wenn man sich überlegt, dass die alten Autos nicht verschrottet, sondern in anderen Ländern weiterverwendet werden. Statt eines Autos haben wir dann zwei.

Klartext: Wenige Menschen sind direkt betroffen, die Politik kostet es fast nichts, alle anderen Menschen sind zufrieden.

- Jahrelang hat es eine Diskussion gegeben, ob unser Hochschulsystem international konkurrenzfähig wäre. Als man feststellte, dass es das nicht ist, hat man sich überlegt, was man denn so tun könnte. Die angelsächsischen Hochschulen haben gut ausgebildete Lehrkräfte, sie haben riesige Unterstützung von ehemaligen Absolventen, sie haben gigantische finanzielle Mittel an Stiftungsgeldern, Autonomie, und - ach so - sie haben Studiengebühren. Wie also raus aus der Krise? Am besten die Mär von dem Studenten, der mit dem Porsche zur Uni fährt, erzählen ... und Studiengebühren einführen. Von mehr Lehrkräften, Stiftungsuniversitäten, universitärer Autonomie, Anhebung der staatlichen Ausgaben für die Universitäten ... keine Rede.

Klartext: Wenige Menschen sind direkt betroffen, die Politik kostet es fast nichts, alle anderen Menschen sind zufrieden.

- Irgendwo knallt ein Durchgeknallter durch, und veranstaltet ein Massaker. Zugegeben, das ist nicht schön. Dieser Mensch hatte ein schweres psychisches Problem, die Eltern haben versagt, die Schule hat versagt, er ist an Waffen gekommen, er hat jahrelang in einer Scheinwelt gelebt, ohne dass ihn jemand als Gefahr erkannt hätte. Und - ach so - er hat Videospiele gespielt. Man hätte also über mehr staatliche Fürsorge für Familien mit Kindern, mehr über die Organisation der Schulen, mehr Lehrkräfte, psychologische Betreuung oder über den gesellschaftlichen Druck, der auf Schülern heutzutage lastet, reden können. Das jedoch kostet Geld: daher sind die sogenannten "Killerspiele" schuld und müssen verboten werden. Dabei gab es schon immer Amokläufe, auch weit vor der Erfindung des Computers. Und Millionen von Spielern spielen in ihrer Freizeit, auch ohne jeden zweiten Mittwoch ein Massaker zu veranstalten.

Klartext: Wenige Menschen sind direkt betroffen, die Politik kostet es fast nichts, alle anderen Menschen sind zufrieden.

- Irgendwo wird die "öffentliche Ordnung gestört", sei es durch lustige Partygänger, Taschendiebe oder schlicht dadurch, dass viele Menschen sich an einem Ort versammeln möchten. Man könnte nun an den gegenseitigen Respekt und die Zivilcourage der Menschen appellieren oder ein paar Ordnungskräfte mehr einstellen, allein das kostet Geld. Daher stellt man am besten Videokameras auf alle Häuserdächer, und wenn man schon dabei ist, dann kann man diese Informationen ja auch irgendwo zentral speichern.

Klartext: Wenige Menschen sind direkt betroffen, die Politik kostet es fast nichts, alle anderen Menschen sind zufrieden.

- Irgendwo geht das Gesundheitssystem zu Grunde. Die Menschen kriegen keinen Facharzttermin mehr, müssen 10.- Euro pro Arztbesuch berappen, die Medikamente werden nicht mehr übernommen, Zahnersatz nein danke. Was kann man tun? Man muss was tun! Man könnte das System reformieren, besser organisieren. Man könnte mal von denen was wegnehmen, die nichts abgegeben haben. Das macht aber keinen Spaß. Ach so, der Nichtraucherschutz... Man muss also nur dafür sorgen, dass sich alle Menschen vom Rauch unmittelbar bedroht fühlen. Man muss Satzfragmente in Umlauf bringen wie "unschuldige Menschen vergiften", "Diskotheken sind Gifthöllen", "tödliche Gefahren des Passivrauchens". Dann hat man ein Thema für die nächste Zeit, und der Bevölkerung wird man bei der nächsten Wahl von den großen Errungenschaften der Politik erzählen können.

Klartext : Wenige Menschen sind direkt betroffen, die Politik kostet es fast nichts, alle anderen Menschen sind zufrieden.


Welche Besonderheit fällt bei den aktuellen Rauchverboten auf? Was bedeutet die Durchsetzung des Rauchverbots generell für die Zukunft? Zwei Aspekte fallen beim Thema "Nichtraucherschutz" auf:

1. "Die Anzahl der Betroffenen" - Viele Menschen rauchen, bezogen auf die Gesamtbevölkerung sind Raucher jedoch eine Minderheit. Daher kann man leicht Verbote aussprechen, die vordergründig demokratisch legitimiert sind. Rechnet man hingegen nur die 20-40-Jährigen, so sind Raucher in vielen Teilen der Gesellschaft in der Mehrheit. In bestimmten Lokalen, erreicht der Raucheranteil nahezu 100%.

2. "Genuss, Freiheit, Freizeit und Geselligkeit" - Das Rauchen ist eine bewusste, freie, schöne und häufig auch gesellige Sache. Viele Menschen genießen es, sich nach einem Kaffee oder bei einem Bier eine Zigarette anzuzünden. Oft ist die Möglichkeit zu rauchen auch ein elementarer Bestandteil einer geselligen Zusammenkunft.


Beide Punkte sind problematisch, wenn man an restriktive Gesetze denkt. Denn erstens ist eine sehr große Anzahl an Menschen betroffen und zweitens werden diese Menschen in der freien Ausübung einer Tätigkeit eingeschränkt, die für sie einen sehr wichtigen Bestandteil ihrer Lebensgestaltung ausmacht. Da es sehr viele Raucher gibt und diese nicht so ohne weiteres ihr Verhalten ändern werden, muss natürlich auch viel kontrolliert werden.


Und wenn viel kontrolliert wird, dann muss auch viel bestraft werden. Und hier kommt ein gesamtgesellschaftlicher Aspekt ins Spiel, denn Kontrolle und Bestrafung werden ein solches Ausmaß annehmen, dass sich die Gesellschaft daran gewöhnt! Wenn erst einmal 1000.- Euro Strafe für eine Zigarette in einem nicht überdachten Teil eines Bahnhofs als "normal" angesehen wird, dann wird man auch bald 1000.- Euro Strafe für andere lächerliche Vergehen als "normal" ansehen. Darüber sollte jeder (auch jeder Nichtraucher) in Ruhe nachdenken: 1000.- Euro für falsch Parken, 1000.- Euro für einen fehlenden Personalausweis, 1000.- Euro für...


Rauchen hat keinen direkten Sinn, es macht lediglich einer Vielzahl von Menschen Freude. Auch viele andere Tätigkeiten und Hobbys werden ausgeübt, weil sie für diejenigen, die sie ausüben, mit Freude und Geselligkeit verbunden sind, auch wenn wiederum andere Mitmenschen nicht verstehen können, wie man überhaupt auf die Idee kommen kann, so etwas zu machen: Laute Musik, Alkohol, Bungee-Springen, Skifahren, Bergsteigen, Segelfliegen, Motorradfahren, Karneval, Oktoberfest, Horrorfilme, Videospiele, Liebesspiele, zu Demonstrationen gehen, Altherrenfußball, ... All das sind Handlungen, die wie das Rauchen mit Genuss und Geselligkeit - aber auch mit Gefahren - zu tun haben. Gefahren, die gesundheitliche Schäden bringen können. Schäden, für welche die Gesellschaft als Ganzes aufkommen muss. Des weiteren sind die Gefahren in all diesen Beispielen nicht nur auf die eigene Gesundheit beschränkt. Skifahrer verletzen Skifahrer, Motorradfahrer mähen kleine Kinder nieder und auf Demonstrationen kommt es bisweilen zu Ausschreitungen, die friedliche Demonstranten treffen.


Wenn nun erst einmal die Raucherdebatte beendet ist, so wird - wie oben beschrieben - ein neues Thema die Schlagzeilen übernehmen, neue Prügelknaben werden gefunden werden müssen, neue Kampagnen werden medial inszeniert werden - allein dann wird weniger Gegenwehr bestehen.


In diesem Sinne fordern wir unsere Mitmenschen auf, gegen alle unverhältnismäßigen Einschränkungen ihrer persönlichen Freiheit vorzugehen. Verbündet Euch privat, gründet Vereine, schließt Euch bereits bestehenden Gruppen an. Wendet Euch gegen Videoüberwachung und das Sammeln von zu vielen personenbezogenen Daten. Behaltet Eure Fingerabdrücke bei Euch. Lasst nicht zu, dass auf jede Weinflasche eine fetter Warnhinweis draufgeknallt wird. Verhindert, dass wir Papptüten um unsere Bierflasche stülpen müssen, nur wenn wir am Feierabend im Park mit Freunden sitzen.


Und wenn Ihr darin geübt seid, dann versucht Euch für Rente, Lohn und Weihnachtsgeld, funktionierende Krankenversicherung, Frieden und all das einzusetzen. Gestaltet Eure Welt aktiv - und seid bei allem tolerant zu Eurem Nächsten und Übernächsten.