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08.01.12 - Stimmen gegen mehr Bevormundung PDF Print E-mail

08.01.2012 - In NRW plant die Regierung eine Verschärfung des Nichtraucherschutzgesetzes. Vom Sommer an soll das Rauchen in allen Restaurants und Kneipen komplett verboten sein. Ausnahmeregelungen für abgetrennte Raucherräume, kleine Kneipen, Festzelte und auf Brauchtumsveranstaltungen soll es dann nicht mehr geben - weil Zigarettenrauch eine Gesundheitsgefährdung mit Todesfolge sei. Mit Umsatzrückgängen für die Kneipen sei nicht zu rechnen. Die Wirte müssten nur auf regionale Küche setzen, damit könnten sie sogar mehr Gäste als vorher anlocken.

Dazu haben sich nun einige Leute zu Wort gemeldet. Dabei sind natürlich die üblichen Lobby-Stimmen. Aber es haben sich außerdem auch andere, neue Gruppen, zu Wort gemeldet Und darüber hinaus auch Personen, die sich gegen ihre eigene Klientel wenden. Wir zitieren unkommentiert einige der Stimmen:

Monika Poschenrieder, Wirtin und Vorsitzende Fachbereich Gastronomie Bayerischer Hotel und Gaststättenverband, BHG: "Des is a Schmarrn. Wenn in NRW ein so radikales Rauchverbot wie in Bayern kommt, wird es sich so auswirken wie bei uns: Viele kleine Kneipen werden schließen müssen, Restaurants werden weniger Umsatz machen, weil die Gäste nach dem Essen schneller gehen. Und es wird private Garagenclubs geben, wo die Leute rauchen werden. Vor allem werden die klassischen Kneipen an der Ecke und die Szenegastronomie leiden."

Karl-Josef Laumann, CDU-Fraktionsvorsitzender im NRW-Landtag: "Es geht bei den Plänen der rot-grünen Landesregierung längst nicht mehr um den Schutz von Nichtrauchern. Der ist durch das geltende Nichtraucherschutzgesetz gewährleistet. Wir wollten Nichtraucher schützen, aber wir wollten als Staat Raucher nicht verfolgen, als wären es Kriminelle"

Thorsten Hellwig, Sprecher Hotel- und Gaststättenverband Dehoga NRW: "Es geht anscheinend nicht mehr nur um den Schutz von Nichtrauchern, es geht darum, ganz bestimmte Lebensweisen zu sanktionieren und unmöglich zu machen. Der Staat maßt sich zunehmend an, zu bestimmen, wie die Bürger zu leben haben. Und wer sich dieser Vorstellung nicht beugt, wird nicht mehr toleriert. Heute ist es das Rauchen, morgen der Alkohol, übermorgen vielleicht das ungesunde Essen. Gastronomie bedeutet nicht, aus schlechten bessere Menschen zu machen, sondern für Gäste mit unterschiedlichen Wünschen gute Gastgeber zu sein. Die Kneipe, in denen sich die Menschen treffen, um Bier zu trinken und sich zu unterhalten, wird es schwer haben. Viele werden die Gesetzesverschärfung nicht überleben. Quatschen, Bier trinken, rauchen - das sind die drei Säulen der Kneipe. Fällt eine weg, bricht das Konzept zusammen."

Daniel Voss, Besitzer Café Konkret, Bermudadreieck, Bochum: "Was wir erleben werden, ist das Ende der Szenegastronomie. Und das ist in meinen Augen kein Nebeneffekt der Gesetzesverschärfung, sondern deren Hauptzweck. Es geht vor allem den Grünen um Volkserziehung. Anstatt für Freiheit und Wahlmöglichkeiten des Einzelnen einzutreten, wollen die Grünen mehr Gleichheit - unterschiedliche Lebensentwürfe und Bedürfnisse der Menschen werden nicht mehr akzeptiert. Es gibt in den Köpfen einiger Politiker einen Idealmenschen: Der raucht nicht, der trinkt wenig und isst, wenn überhaupt, nur wenig Fleisch. Ein Öko-Mustermensch. Der Kampf gegen das Rauchen und die wenigen noch verbliebenen Raucherkneipen sind nur der Anfang. Als nächstes geht es gegen den Alkohol oder bestimmte Essgewohnheiten. In Skandinavien gibt es doch schon extrem hohe Steuern auf Alkohol, in Frankreich werden süße Getränke künstlich verteuert, und Dänemark hat eine Fettsteuer eingeführt. Nicht nur in Deutschland wird es allmählich unbequem, nicht dem Ideal zu entsprechen. In ganz Europa ist ein puritanischer Zeitgeist auf dem Vormarsch, der mich als Individuum formen will."

Bodo Meinsen, Verein "Bürger für Freiheit und Toleranz": "Wir wenden uns dagegen, dass der Staat sich immer stärker in das Leben der Menschen einmischt und sie entmündigt. Unser Ideal ist der selbstverantwortliche Bürger, nicht der vom Staat gegängelte. Wir wollen keinen Nanny-Staat, der uns erzieht. Ein generelles Rauchverbot ist nichts anderes als ein massiver Eingriff in die Lebensweise der Bürger. Und dabei wird es doch nicht bleiben. Kommt der Staat damit durch, wird er noch stärker versuchen, die Menschen zu erziehen. Erfolg macht Lust auf mehr."

Michele Marsching, NRW-Vorsitzender Piratenpartei NRW: "Wir haben zwar keinen bindenden Beschluss zu dem Thema, aber eine Tendenz. Wirte sollen selbst entscheiden, ob sie ein Raucherlokal betreiben wollen, müssen aber mit einem Schild darauf hinweisen."

Franz-Josef Drabig, Dortmunder SPD-Chef: "In Bierkneipen das Rauchen zu verbieten, ist Unsinn. Für mich zeigt sich an so einer Politik auch viel Hilflosigkeit. So etwas machen Politiker immer dann, wenn sie die richtigen Probleme nicht lösen können."

Vielleicht helfen diese Stimmen, den schicken Verbotszeitgeist der letzten Jahre wieder auf ein vernünftiges Normalmaß herunterzuschrauben. Hoffnung darauf macht der letzte Satz des Artikels aus der Welt, dem wir die genannten Stimmen entnommen haben: "Ohnehin scheint der rot-grüne Erziehungseifer etwas aus der Zeit gefallen zu sein: In den Niederlanden hat die Regierung angekündigt, die Rauchverbote wieder zu lockern, in Griechenland sollen Kneipen ihre Gäste wieder rauchen lassen dürfen."

... News vom 08.01.2012 ...